Seit Jahrhunderten
im Herzen Passaus

Geschichte der Staatlichen Bibliothek im Überblick

Die Staatliche Bibliothek Passau geht zurück auf die Büchersammlung des 1612 durch Erzherzog Leopold von Österreich gegründeten Passauer Jesuitenkollegs und ist damit eine der ältesten öffentlichen Büchersammlungen Deutschlands. Als Bibliothek der sich stetig entwickelnden Jesuitenhochschule flossen ihr beträchtliche Mittel und Bestände zu, bis sie durch die verheerenden Stadtbrände der Jahre 1662 und 1680 einen herben Rückschlag erlitt. In der Folge konnte vor allem durch das Vermächtnis des Passauer Weihbischofs Johannes Maximus Stainer, der 1692 starb, die fast vollständig vernichtete Büchersammlung wieder aufgebaut werden. Schwerpunkte der Erwerbung waren, bei selbstverständlicher Berücksichtigung von Theologie, Philosophie und Autoren der Antike, die nichtscholastische Zeitphilosophie, die schönen Wissenschaften, französische und deutsche Literatur sowie neben Mathematik und Physik auch Erd- und Reisebeschreibungen. In diesen Zeitraum fällt auch die Einrichtung (ca. 1740) der bestehenden prunkvollen Bibliotheksräume im Ostflügel des ehemaligen Jesuitenkollegs. Der im Rokokostil ausgestaltete Stucksaal (oben abgebildet) ist noch heute bis hin zu den sehr gut erhaltenen Regalen im Originalzustand und wird von der Bibliothek weiterhin benutzt (Führungen auf Anfrage).



Mit der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 ging die Bibliothek in den Besitz des Passauer Hochstifts über und nannte sich fortan „Fürstbischöfliche Akademische Bibliothek“. Nur drei Jahrzehnte später fiel die Sammlung durch die Säkularisation 1803 an den bayerischen Staat und wurde zur Aufnahmestelle für die ebenfalls aufgelösten geistlichen Bibliotheken von Stadt und Umland. Bedeutende Bestände kamen aus dem Passauer Franziskaner- und dem Kapuzinerkloster, aus dem Augustinerchorherrenstift St. Nikola vor Passau, der Benediktinerabtei Formbach (Vornbach) am Inn, dem Prämonstratenserstift St. Salvator bei Griesbach im Rottal und aus dem Zisterzienserkloster Aldersbach bei Vilshofen. Die dergestalt vergrößerte Bibliothek trug ab 1819 den Namen „Königliche Bibliothek Passau“, auch „Provinz- und Gymnasiumsbibliothek“ genannt, und diente mit ihren nun schlagartig auf 24.000 Bände mehr als verdoppelten Beständen weiterhin dem Gymnasium (einer Nachfolgeeinrichtung des Jesuitenkollegs) und dem neugegründeten Lyceum, der späteren Philosophisch-Theologischen Hochschule.



In den Anfang des 19. Jahrhunderts fallen wichtige, noch heute grundlegende Verzeichnisarbeiten Johann Baptist Durachs und anderer mit der Verwaltung der Bibliothek Vertrauter; den weiter rasch wachsenden Beständen konnte erst 1890/91 mit dem Bezug neuer Räumlichkeiten im ehemaligen Jesuitengebäude Rechnung getragen werden. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs trägt die Bibliothek den Namen „Staatliche Bibliothek“ und konnte, nachdem weitere räumliche Anstückelungen die immer katastrophalere Raumnot nicht zu lindern vermochten, 1972 ihr heutiges Gebäude Michaeligasse 11 beziehen. Die Räumlichkeiten des 1630/39 erbauten ehemaligen Jesuitenalumnats wurden für die neue Verwendung großzügig modernisiert – vor allem wurde der frühere Innenhof, laut Gutachten des Landesamtes für Denkmalpflege „einer der schönsten Innenhöfe des 17. Jahrhunderts nördlich der Alpen“, durch Überdachung zu einem lichtdurchfluteten Lesesaal umgestaltet. Mit der Wahl dieses Gebäudes konnte in unmittelbarer Nachbarschaft der ursprünglichen Bibliothekssäle im ehemaligen Jesuitenkolleg eine fast vierhundertjährig präsente Tradition auch räumlich fortgesetzt und neu begründet werden.

Zeittafel

1612 Gründung des Passauer Jesuitenkollegs durch Erzherzog Leopold von Österreich

1662/1680 Die Bibliothek des Jesuitenkollegs wird in den verheerenden Stadtbränden nahezu vollständig zerstört.

1692 Vermächtnis des Passauer Weihbischofs Johannes Maximus Stainer zugunsten der Bibliothek

1740 Ausgestaltung der Bibliotheksräume im Ostflügel des ehemaligen Jesuitenkollegs

1773 Aufhebung des Jesuitenordens, „Fürstbischöfliche Akademische Bibliothek“

1803 Säkularisation, Anfall der geistlichen Büchersammlung von Stadt und Region an die nun bayerische „Königliche Bibliothek“

1890/91 Ausbau neuer Räumlichkeiten im ehemaligen Jesuitenkolleg

1920 Einrichtung eines neuen, großen Lesesaales

nach 1945 „Staatliche Bibliothek“

1972 Bezug des heutigen Gebäudes Michaeligasse 11, des ehemaligen, 1630/39 erbauten Jesuitenalumnats

1987 Pflichtexemplarbibliothek für Niederbayern

Weiterführendes

Kastner, Jörg: Die Staatliche Bibliothek Passau. In: Bibliotheksforum Bayern 11 (1983). S. 177–189.

derselbe: Passau, Staatliche Bibliothek. In: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Hg. von Eberhard Dünninger. Band 12. Hildesheim u.a.: Olms-Weidmann 1996. S. 193–205.

Kirsten, Helmut: Grundlegende Gedanken zur Bauplanung der Staatlichen Bibliothek Passau. In: Bibliotheksforum Bayern 1 (1973). S. 193–201.

Oswald, Josef: Die Staatliche Bibliothek Passau. Passau: Verlag des Vereins für Ostbairische Heimatforschung 1973.

derselbe: Die Staatliche Bibliothek Passau in ihrem geschichtlichen Werdegang. In: Bibliotheksforum Bayern 1 (1973). S. 181–192.

Schemmel, Bernhard: Die Staatlichen Regionalbibliotheken Bayerns und ihre kulturpolitische Bedeutung. In: Bibliotheksforum Bayern 32 (2004). S. 117–132.

Griebel, Rolf: Regionale Staatliche Bibliotheken. In: Historisches Lexikon Bayerns.

Das Haus der Welt. Eine kurze Geschichte der Bibliothek. In: Mahagoni - Magazin für Stil, Lebensart und Kultur.

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